Ein Wochenende am Stubaier Höhenweg unterwegs
Geschrieben von hikingharry am 15. August 2010 | Abgelegt unter Tirol
Diese Tour fängt ja gut an. Ich habe verschlafen, komme zu knapp zum darauffolgenden Zug nach Innsbruck, verpasse dort den Bus ins Stubaital. Letztendlich fahre ich dann mit der Bergbahn zur ersten Station hoch und stehe um ca. 1/2 12 Uhr auf 2300m bei der Dresdner Hütte im herumziehenden Nebel. Es ist kühl und etwas windig. Aber ich bin wieder in der herrlichen Bergwelt.
In den herumziehenden Wolken und Nebeln sehe ich immer wieder die leicht angeschneiten Berggipfel und Kämme. Ein Snickers essend mache ich mich langsam auf den Weg in Richtung Beiljoch (2672m), der niedrigere der beiden Übergänge zur Sulzenauhütte. Ich denke mir, das am Übergang über den Gr. Trögler auf etwas mehr als 2900m noch mehr Schnee liegen wird.
Es sind wenig Leute unterwegs und bald stehe ich in einer fast schwarzweißen Welt.
Der Steig ist recht rutschig, z.T. mit Schneematsch bedeckt, an manchen Stellen eisig. Am Beiljoch angekommen grüßen mich die eingeschneiten Steinmanderln, weit unter mir sehe ich ein Pärchen sich vorsichtig den Weg hinuntertasten. Ich trinke ewas Wasser esse einen Riegel und steige ebenfalls langsam bergab. Bei diesen Wegverhältnissen bin ich dankbar für mein leichtes Gepäck muß aber trotzdem sehr auf meine Schritte achtgeben. Meine Gehgeschwindigkeit sinkt rapide.
Unterhalb des Sulzenauferners bleibe ich etwas am Bach stehen und sehe den kleinen Schwällen und Wellen zu. Wie ich mich so auf das Wahrnehmen des Baches einlasse kommt mir plötzlich das Rauschen und Plätschern ohrenbetäubend vor. Sehr intensive Eindrücke, ich freue mich daran, dies alles sehen, hören und spüren zu können. Langsam gehe ich durch Gletscherschliffe zur Sulzenauhütte.
Zum Teil wirkt die Landschaft eher wie eine ursprüngliche Wildnis irgendwo in Alaska. Das wenige Leute unterwegs sind und das Wetter nicht gerade warm und sommerlich ist mag dazu beitragen.
Schließlich gehe ich dann an der Sulzenauhütte vorbei und sofort weiter in Richtung Grünausee. Als ich gerade das Becken unterhalb des Sees quere und mich einer ehemaligen Seitenmoräne des Wilder Freiger Ferners nähere bemerke ich, das ich die Tagesetappe schon fast beendet habe. Ich will ja am nächsten Tag nur bis zur Nürnberger Hütte, und dann wieder ins Tal. Also gibts erst mal Kaffee und Wraps mit Aufstrich. Faszinierend was alles in meinem Minirucksack (Sea to Summit Ultra-Sil Daypack) Platz hat.
Weiter gehts zum Grünausee auf 2328m. Ein schöner Flecken Erde. Das dunkelgrüne Wasser ist spiegelglatt. Ein Platz der zum Meditieren und Nachdenken einläd.
Ich gehe weiter in Richtung Mairspitze zu den nächsten Lacken hinauf und besehe mir den See von oben. Ein grünes Auge in karger Berglandschaft.
Auf ca. 2550m dann kratze ich mir eine Fläche vom Schnee frei, um dort zuerst mal Abend zu essen und anschließend die Tarp aufzubauen. Zu allererst aber probiere ich mich wieder mal an ein paar Timelapseaufnahmen. Dann erst gibts das Essen. Eine Hofer/Aldi-Asiatische Suppe, diesmal aber nur mit etwas Olivenöl extra. Auf Grund meines kleinen Rucksackes habe ich auf die Mitnahme von frischem Gemüse verzichtet. Und da es stetig kühler und windiger wird gibts darauf noch ein üppiges Dessert aus Riegeln und einer Nuß-Rosinenmischung. Als die Tarp dann steht koche ich noch einen Tee und krieche in den Schlafsack.
Die ganze Nacht fegt der Wind rund um die Tarp und die Temperatur wirkt sofort etwas kühler zusammen mit dem Wind. Zum Schlafen reicht mein Zeug gerade noch.
Am Morgen dann scheint mal kurz die Sonne auf die Bergspitzen und verzieht sich sofort wieder hinter die Wolken. Der Schnee ist so hart, das er mich trägt und nach einem schnellen Zusammenpacken und einiger Riegel und etwas kaltem Wasser gehts los in Richtung Mairspitze. Langsam taste ich mich den vereisten Steig hinauf und teste bei jedem Schritt ob wohl der Schuh an der Stelle hält. Ich freue mich, als ich endlich in den Bereich komme, wo gestern Abend die letzten Wanderer umgekehrt sind. Dort ist es nämlich leichter Tritte in dem unverspurten, zusammengerutschten Schnee zu machen.
Zügig geht es vorwärts und bald bin ich oben am Übergang. Ich verzichte auf den Gipfel und taste mich den Pfad zur Nürnberger Hütte hinunter. Da sind wohl am Vortag einige Personen heroben gewesen. Die Tritte im Schnee sind auch hier wieder vereist und äußerst vorsichtig steige ich hinunter. Für die ersten 100 Höhenmeter brauche ich eine gute halbe Stunde. Dann gehts zügig hinab. Etliche Male bleibe ich stehen, um ansteigende Gruppen vorbei zu lassen. An der Nürnberger Hütte angekommen gönne ich mir erst mal einen Kaffee und einen Apfelstrudel, bevor ich wieder ins Tal hinabsteige und heimfahre.
Fazit: Wieder eine schöne Tour gewesen, meine dritte in diesem Gebiet und wieder ein Schritt mehr zur Vollendung des Projektes “Stubaier Höhenweg in Etappen”. Auch ausrüstungsmäßig war ich sehr zufrieden, merkte aber auch, das ein etwas größeres Volumen mehr Gelegenheit zur Mitnahme von Luxussachen wie Frischgemüse bietet. Auch hätte in meinen 30 Liter MYOG Rucksack noch leicht die Daunenjacke anstatt der etwas dünneren Primaloftjacke hineingepaßt.
Noch mehr Fotos zur Tour gibt es bei Flickr (>>klick)
Zur Tour gibt es noch einen kleinen Film auf YouTube:
Und zu aller letzt noch mal der Link zum 20lsgc (20 Liter sind genug contest) von Q´s Blog, der mich zum Wandern mit einem so kleinem Daypack inspiriert hat. Danke Q.
(Älter) Mit dem Sea to Summit Ultra-Sil Daypack am Stubaier Höhenweg unterwegs | Wanderung zur Hundalm-Eishöhle am Buchacker (Neuer)
2 Kommentare »











am 16. August 2010 um 10:31 1.Knilch schrieb …
Vielen Dank für die wunderschönen und beeindruckenden Fotos.
Angespornt von deinen Fotos Werde mich morgen wohl sicherheitshalber auch mal in die Allgäuer bewegen
beste Grüße von der anderen Seite!
am 16. August 2010 um 21:40 2.hikingharry schrieb …
Danke für das Lob!
Was heißt denn das “sicherheitshalber” in diesem Zusamenhang?